Wer in Diestelbruch vom Pickert spricht, meint mehr als nur ein Pfannengericht. Es ist ein Stück Heimat, eine warme Erinnerung – und, wenn man Glück hat, ein richtig gutes Essen!
Also, Christa, du als unsere Meisterbäckerin beim jährlichen Pickert-Essen – du weißt doch bestimmt, wie das früher war?
„Jede Familie hatte ihr eigenes Rezept!“, sagt Christa und lacht. „Das wurde nie aufgeschrieben, sondern weitergegeben – von der ältesten Frau an die Töchter. Und die Pfanne gleich mit! Denn in einer großen Eisenpfanne wird er einfach am besten.“
Gebacken wurde, wenn der Herbst kam und die Kartoffeln „gesetzt“ waren – also, wenn sie richtig Stärke hatten. Dann duftete es in ganz Diestelbruch nach Pickert – mit oder ohne Rosinen, das war Glaubenssache.
Wenn einer Pickert buk, kamen alle: Familie, Nachbarn, Freunde. Es war mehr als ein Essen – es war ein Fest! Der alte Prasse in Vahlhausen hat den Teig sogar nachts angesetzt, damit frühmorgens schon Kaffee und Pickert auf dem Tisch standen.
Und wie Christa erzählt:
„Mein Vater hat am liebsten bei Schuster Grete gegessen – und mit ihr gleich noch ein bisschen gekummelt.“
(Für alle, die nicht aus Lippe kommen: „kummeln“ heißt so viel wie flirten oder ein bisschen schäkern – natürlich ganz harmlos! 😉)
Auch bei den Treffen des Wachholder-Clubs durfte der Pickert nicht fehlen. Wenn die Runde bei Christas Mutter stattfand, musste die Oma ran – die Mutter konnte es noch nicht. So wurde das Wissen weitergegeben – ganz ohne Rezeptbuch, aber mit viel Herz.
Manche Familien backten den Pickert in einer Form, damit sie immer welchen im Haus hatten, wenn Besuch kam. Dann wurden Scheiben abgeschnitten und in Schmalz knusprig angebraten – perfekt für einen gemütlichen Winterabend.
Und wer jetzt Appetit bekommen hat: Hier das Rezept, wie es bei uns im Lipperland seit Generationen weitergegeben wird.
(Am besten gleich ausprobieren – aber Achtung: Es werden 40 bis 50 Stück!)
Pickert – die lippische Landesspezialität
Für ca. 40–50 Stück:
- 1½ kg Kartoffeln
- 1 kg Mehl
- 10 Eier
- 60 g Hefe
- 4 TL Salz
- 3–4 EL Zucker
- 250–350 ml Milch
- ca. 400 g Rosinen (wer mag)
Zubereitung:
Kartoffeln schälen und reiben, das Wasser abgießen.
Milch erwärmen, einen Teil davon mit Hefe und etwas Zucker anrühren.
Dann alles zusammen mit Eiern, Salz, Zucker und Mehl verrühren – bis ein zähflüssiger Teig entsteht.
Zum Schluss Rosinen unterheben und los geht’s ans Braten – natürlich in einer echten Eisenpfanne!
