Weniger gesehen, mehr gelästert – auf zum Velmerstot

Zehn Donnerstagswanderer, 5,3 Kilometer, knapp zwei Stunden – und eine Aussicht, die sich konsequent geweigert hat, eine zu sein.

Schon vor dem Start war klar: Das Wetter meinte es diesmal eher lippisch mit uns. Regen, Sprühnebel, grauer Himmel. Hans brachte deshalb vorsichtig den Leistruper Wald als Alternative ins Spiel. Eine schöne Runde vor der Haustür wäre bei diesem Wetter vielleicht gar nicht so verkehrt gewesen.

Aber nein! Wenn Velmerstot geplant war, dann sollte es auch der Velmerstot werden. Also auf nach Feldrom.

Dort angekommen übernahm Hans die Führung. Seine Streckenbeschreibung klang denkbar einfach:

„Links um die Ecke und dann rechts hoch.“

Eigentlich konnte da nichts schiefgehen.

Erwin sah das kurze Zeit später etwas anders: „Ich hab nix verstanden und keiner weiß, wo wir sind – aber alle machen mit.“

Und genau so war es.

Es ging bergauf und wieder bergab, über geteerte Wege, Waldwege und zwischendurch auch über Stellen, bei denen der Begriff „Weg“ durchaus großzügig ausgelegt werden musste. Als Peter sah, wo es weitergehen sollte, kam nur ein trockenes: „Ich hab’s befürchtet.“

Dieter dagegen entdeckte selbst im Dickicht noch die schönen Seiten des Wanderns: „Hier streifen dir die Äste durch den Bart – einfach genial.“

Irgendwann wurde selbst Erwin etwas nachdenklich und fragte Hans: „Ich hoffe, wir kommen heute noch an.“

Hans blieb auch im Moment gefühlter völliger Orientierungslosigkeit die Ruhe selbst:

„Jo, jo.“

Mehr Sicherheit brauchten wir nicht.

Und tatsächlich: Irgendwann standen wir auf dem Preußischen Velmerstot. Mit 468 Metern ist er die höchste Erhebung des Eggegebirges. Oben steht der 17 Meter hohe Eggeturm, von dem man bei gutem Wetter einen herrlichen Rundblick über die Region und weit darüber hinaus haben soll.

Soll.

Wir sahen: Nebel. Dazu Sprühregen. Und noch etwas Nebel.

Zum Glück gibt es dort oben Holztafeln, auf denen beschrieben ist, was man eigentlich hätte sehen können. So standen wir auf dem Aussichtsturm und betrachteten eben schriftlich die Aussicht.

Der Stimmung tat das natürlich keinen Abbruch. Unser Motto des Tages war schnell gefunden:

Weniger gesehen, mehr gelästert.

Und das können wir Donnerstagswanderer bekanntlich ziemlich gut.

Nach 5,3 abwechslungsreichen Kilometern und fast zwei Stunden kamen alle zehn wieder wohlbehalten zurück. Hans hatte also doch gewusst, wo es langgeht – zumindest spricht das Ergebnis dafür.

Zurück im Treffpunkt waren wir uns schnell einig: Nach Bergauf, Bergab, Nebel und Sprühregen hatten wir uns ein kühles Bier redlich verdient.

Und natürlich hatte Gerd wieder für die passende Nervennahrung gesorgt: Schaumküsse – oder Mohrenköpfe, wie man früher sagte, oder wie auch immer. Wir alten Säcke reden nicht lange drüber – wir genießen einfach.

Danke, Gerd!

Und weil auf unserer „Resterampe“ auch noch das eine oder andere kleine Gläschen auf einen Abnehmer wartete, haben wir uns darum ebenfalls pflichtbewusst gekümmert.

Schließlich lassen die Donnerstagswanderer nichts verkommen.

Und die Aussicht vom Velmerstot?

Die holen wir uns einfach beim nächsten Mal.

Vielleicht.

Wenn Lippe sie freigibt.